CD-Check

Silbermond - "Himmel auf"

Wer Erfolg hat, bekommt auch schnell Druck von Außen zu spüren, weiterhin ganz oben mitspielen zu müssen. Silbermond waren während der Arbeiten zu ihrem vierten Album „Himmel Auf“ genau an diesem Punkt angekommen. Sie erkannten, dass ihre Kreativität zur Routine geworden war und neue Ansätze oder Impulse einfach fehlten.

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Silbermond machten kurzen Prozess, verwarfen die ersten Songideen komplett und legten eine längere Pause ein, um einfach mal wieder Luft zu holen und Ideen zu sammeln, wie sie musikalisch weiter machen wollten. So experimentierten Gitarrist Thomas Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak im Band-eigenen Studio in Berlin Adlershof an neuen Sounds. „Wir wollten einfach mal ganz andere Ideen ausprobieren, Musik auf die wir auch sonst stehen“, erklärt Thomas Stolle. „Einfach mal den alten Pfad verlassen und versuchen neue Wege zufinden.“ Sie versuchten beispielweise, sehr viel mehr mit Chorgesängen zu arbeiten, oder nahmen etwa ein Schlagzeug mit einem Mikrofon auf der Damentoilette auf. Am Ende fanden Silbermond schließlich ihren Weg aus der kreativen Sackgasse.

 

Das Ergebnis gibt es jetzt mit dem Album „Himmel auf“ zu hören. Eins vorneweg, die 14 neuen Lieder klingen immer noch nach Silbermond. Beim genaueren Hinhören sind uns dann doch einige kleinere Veränderungen aufgefallen.

 

 

Silbermond mit Markus Kaiser

Der Opener „Unter der Oberfläche“ zum Beispiel ist ein bombastischer Pop/Rock Song, wie man ihn von den Bautzenern in dieser Form noch nicht zu hören bekam. Irgendwie erinnern dabei die Gitarren und der Chor im Hintergrund an Produktionen von Bands wie U2 oder Snow Patrol. Dass dieser Track als erstes auf der CD zu finden ist, kommt nicht von ungefähr: „Bei diesem Album ging es uns tatsächlich darum unter die Oberfläche zu gehen. Die Sachen aufzuschreiben, die uns bewegen, die uns auf der Seele brennen. Das haben wir getan und deshalb ist er für uns ein passender Opener.“, erzählt Thomas im BB RADIO Interview. Besonders beachtlich auf der neuen CD ist, dass Silbermond vor kaum einem Thema zurückschrecken und wohl noch nie so tiefgründig in ihren Songs waren. Es geht unter anderem um die Suche nach Glück („Himmel Auf“), aber auch um Gesellschaftsthemen wie Frustration („Gegen“) oder die Bewältigung von Alltags-Stress („Ans Meer“). Am beeindruckendsten ist auf „Himmel Auf“ aber der Song „Weiße Fahnen“. Silbermond versetzen sich in die Lage eines Kindersoldaten. Die Idee, dieses sehr heikle Thema umzusetzen, kam der Band nach einem Besuch in Kamerun. Dort trafen sie auf einen Kriegsfotografen, der ihnen vom Leben afrikanischer Kindersoldaten erzählte. Die Ballade besticht vor allem durch einen Text, der dieses unvorstellbar grausame Schicksal direkt vor Augen führt.

 

Die vier Bautzener haben ihre Freude nicht verloren, großartige deutschsprachige Pop/Rocksongs zu schreiben. Insgesamt ist das Album „Himmel Auf“ die logische Weiterentwicklung von Silbermond. Mit ihrem Erfolg und den Erfahrungen, die die Band über die Jahre gesammelt hat, sind sie erwachsen geworden. Die neuen Songs fallen so diesmal wesentlich tiefgründiger aus.