Noel Gallagher's High Flying Birds - "Noel Gallagher's High Flying Birds"
CD-Check

Noel Gallagher's High Flying Birds

Mit der Britpop-Band Oasis ("Wonderwall") feierte der Gitarrist und Songschreiber Noel Gallagher zusammen mit seinem jüngeren Bruder Liam riesige Erfolge. Die wurden jedoch immer wieder überschattet von Streitigkeiten zwischen den Geschwistern. Im August 2009 eskalierten die Auseinandersetzungen schließlich so sehr, dass Noel in Folge die Gruppe unwiderruflich verließ. Für seine erste "Solo"-Platte hat sich der Musiker dann ganze zwei Jahre Zeit gelassen. Die CD heißt genau wie sein neues Band-Projekt "Noel Gallagher’s High Flying Birds" und überzeugt mit eingängiger, intelligenter Pop-Rock-Musik auf ganzer Linie.

1991 besuchte Gallagher ein Konzert der Band "The Rain", in der sein Bruder Liam damals Leadsänger war. Noel verkündete der Gruppe im Anschluss an den Gig, dass er ihnen mit seinen Songs zum Ruhm verhelfen könne. Die Musiker waren einverstanden, benannten sich zum Neustart in "Oasis" um und die erste Platte „Definitely Maybe“ stieg 1994 tatsächlich direkt auf Platz Eins der britischen Charts ein. Sie wurde das zu dem Zeitpunkt am schnellsten verkaufte Debütalbum in der Geschichte Englands und der durch Oasis Mitte der 90er maßgeblich geprägte Britpop-Sound beeinflusste die Musik eines ganzen Jahrzehnts.

Doch mit dem Erfolg kamen auch die Eskapaden, die Gallagher-Brüder gerieten immer wieder durch Alkohol-, Drogen- und Gewaltskandale in die Schlagzeilen und auch untereinander gab es wiederholt Auseinandersetzungen. Als darüber hinaus nach den ersten drei gefeierten CDs der Erfolg Ende der 90er nachließ und die Engländer musikalisch kaum noch von sich reden machten, gipfelte 2009 schließlich alles in einem heftigen Streit zwischen Noel und Liam vor einem Gig in Frankreich, bei dem sogar verschiedene Gitarren zerbrochen wurden. Noel ließ das Konzert platzen und verkündete noch am selben Tag, dass er nicht länger mit Liam zusammenarbeiten könne und Oasis sofort verlassen werde. 2010 gründete er mit ein paar Studiomusikern die Band "Noel Gallagher’s High Flying Birds", benannt nach dem Song "High Flying Bird" der amerikanischen Rockband-Legende Jefferson Airplane.

Noel Gallagher

Das selbstbetitelte Debüt-Album glänzt durch einen Frontmann, der mit großartigen Melodien, abwechslungsreicher Instrumentierung und authentischem Gesang zehn großartige neue Songs präsentiert. Wenn man sich den gewaltigen Streichersatz und opulenten Backgroundchor einmal wegdenkt, dann zeigt schon der erste Titel "Everybody’s On The Run" beeindruckend, wodurch sich Noel Gallaghers neues Projekt auszeichnet: handgemachter Britpop-Sound mit klassischen Instrumenten (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard), ehrlicher, schnörkelloser Gesang und Melodien, die sofort hängen bleiben. Bei "Dream On" kommen dann zusätzlich Trompeten, Posaunen und ein Saxofon zum Einsatz – auch das harmoniert perfekt mit dem entspannten, Akustik-Rock-Sound. In der Single "AKA…What A Life!" wird mehr Fahrt aufgenommen. Der durchgehende Klavierlauf und die treibenden Beats machen richtig Lust auf Tanzen, der Refrain regt sofort zum Mitsingen an.

Noel Gallagher will mit seinen "High Flying Birds" lieber ein eigenes, neues Kapitel Musikgeschichte schreiben als mit Oasis verglichen zu werden. Das ist dann aber doch fast unvermeidbar, die Ähnlichkeiten zu den Erfolgssongs der Britpop-Band sind einfach unverkennbar. Was dem Musiker allerdings tatsächlich gelingt, ist den Songs einen ganz eigenen Charakter zu verleihen – so singt, spielt und schreibt er sich mit absoluter Souveränität verdientermaßen in die obere Riege der besten "Solo"-Künstler Englands.


 

Anspieltipps:
"Stop The Clocks"

wurde schon 2001 geschrieben und jetzt glücklicherweise endlich aus der Schublade geholt. Es lohnt sich, den tollen Songs bis zum Ende zu hören, da wird nämlich mit fast zerstörerischem Ausdruck mal richtig aufgedreht

"The Death Of You And Me"in Großbritannien die erste Single-Auskopplung. Trotz des eher düsteren Titels (“Der Tod von dir und mir”) hat die relaxte Nummer einen fröhlichen, romantischen Inhalt: Menschen flüchten aus ihrem gewohnten Umfeld, haben eine gute Zeit in Zweisamkeit und leben ihr Leben lang glücklich zusammen
"If I Had A Gun…"

erinnert in den ersten Takten deutlich an Oasis’ großen Hit “Wonderwall”. Die Single entwickelt sich aber zu einem ganz eigenen Ohrwurm, bei dem die E-Gitarren klar im Vordergrund stehen

 

Und so bewertet F. Bormann aus Brandenburg die CD

Ich habe mich wahnsinnig über die CD gefreut. Ich bin ein riesen Fan von dieser Musik und kann Sie nun so lange abspielen bis mein CD-Player streikt. Ich kann die CD auf jeden Fall empfehlen.