Gypsy & The Cat: "Gilgamesh"
CD-Check

Gypsy & The Cat - "Gilgamesh"

Xavier Bacash und Lionel Towers kommen aus Australien, waren früher als House-DJs unterwegs und nennen ihr Musikprojekt „Gypsy & The Cat“. Dank der Werbung eines Telekommunikationsunternehmens entwickelt sich die Single „Time To Wander“ zu einer kleinen Erfolgsgeschichte für das Duo. Ihr Debütalbum steht dem in nichts nach. „Gilgamesh“ ist nämlich vollgepackt mit wunderschönen und abwechslungsreichen Pophymnen.

Dass das Projekt Gypsy & The Cat erst vor knapp drei Jahren seinen Anfang genommen hat, ist eigentlich unglaublich. Denn die beiden kreativen Köpfe Xavier und Lionel hätten schon seit ihrer Schulzeit zusammen Musik machen können. Schließlich gingen beide auf die gleiche Schule in Melbourne. Durch den Altersunterschied von drei Jahren und da ihre Schule ziemlich groß war, brauchte es seine Zeit, bis sich die Wege der beiden musikbegeisterten Jungs kreuzten. Als DJs lernten sie sich erst 2008 in der Clublandschaft ihrer Heimatstadt kennen und legten zusammen Housemusik auf. Diese fast schon monotonen Beats füllten die Beiden aber auf die Dauer nicht aus und so suchten sie nach einer neuen Herausforderung. Sie wollten Lieder schreiben, die Struktur besitzen und etwas zu erzählen haben. „Aus einem Song wurden plötzlich zwei, drei, zehn Titel, die wir fertig hatten“, sagt Lionel rückblickend im BB RADIO Interview. „Wir entschieden, eine Auswahl auf die Internetseite Myspace zu stellen und so wurde ein kleines Plattenlabel aus Melbourne auf uns aufmerksam. Plötzlich ging alles ganz schnell. Wir suchten uns ein Management, flogen nach London und hatten einen Vertrag bei einer großen Plattenfirma in der Tasche.“ Dort haben sie dann auch die Lieder für ihr Debütalbum „Gilgamesh“ eingespielt und produziert.

 

Elf Titel haben es auf die CD geschafft. In den meisten Songs erzählt Sänger Xavier von den Erfahrungen, die er nach einem Beziehungs-Aus erlebt hat. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Thema durch die Platte. „Ich war ziemlich deprimiert“, erinnert er sich. „Ich fing an, ziemlich viele philosophische Texte zu lesen. Wenn du das erste Mal so was erlebst, wirst du glaub’ ich etwas merkwürdig. Du fängst an auf einmal dein Leben und die Welt drumherum zu hinterfragen.“ Aus dieser Zeit stammt unter anderem auch der Titelsong „Gilgamesh“. Vielleicht fragen Sie sich, ob „Gilgamesh“ ein Fantasiewort ist? Nun, dahinter verbirgt sich eine Gruppe literarischer Werke und sind eines der ältesten entdeckten Schriften der Welt. Xavier hat diese Tatsache fasziniert, dass aufgeschriebene Worte auch nach mehreren tausend Jahren noch gelesen werden können. In dem Lied nutzt er sie als Metapher, wie es wohl wäre auch nach einem Liebes-Aus füreinander und ewig da zu sein. Solche philosophischen Ansätze finden sich auf der Platte immer wieder. Die Single „Time To Wander“ erzählt zum Beispiel von einer Phase, in der sich Xavier zu einem Erleuchtungstrip nach Indien aufgemacht hat, um Abstand von seiner Ex-Freundin zu bekommen. „Wenn jemand dein Herz gebrochen hat und nicht mehr mit dir zusammen sein will, dann gerät man schnell in eine Trotzphase und sagt so was Dummes wie: Gut, dann hau ich halt ab und bin ganz weit weg von dir. Ich hoffe dann, du musst jeden Tag an mich denken.“ Dass so etwas unlogisch ist und nicht funktionieren kann, davon erzählt „Time To Wander“.

 

© David Mandelberg
Gypsy & The Cat

Australische Musik wie die von Empire Of The Sun, Bag Raiders oder auch Gotye ist mit ihrem Mix aus Pop, Elektro und Synthie in letzter Zeit ziemlich erfolgreich. Auch Gypsy & The Cat schlagen mit ihrem Sound einen ähnlichen Weg ein. Doch die Songs sind viel poppiger und ohrwurmtauglicher als die ihrer Mitstreiter. Und auch die klare Stimme von Sänger Xavier fällt sofort auf. Streckenweise geht sie immer wieder in extrem hohe Tonlagen und erinnert dabei an den Falsettgesang des australischen Trios Bee Gees. So etwas kann zwar schnell nerven, doch die Titel sind durch ihre Instrumentierung sehr harmonisch verpackt worden. Durch die starken und hitverdächtigen Songstrukturen haben es Gypsy & The Cat geschafft, zumindest uns von ihrer Musikalität schnell zu überzeugen. Selbst ein extrem kitschig ausgefallener Popsong wie „Watching Me, Watching You“ wirkt auf einmal zuckersüß und lädt quasi dazu ein, in einen traumähnlichen Zustand entführt zu werden. Und so etwas zeichnet schließlich eine gute Popplatte aus, einfach in eine andere Welt abzutauchen.

 

 

Anspieltipps:
"Jona Vark"

die erste Single hat sich durch eine tolle Melodie und eine aufgepeppte Synthesizer- Instrumentierung mit einer Akustikgitarre im Hintergrund zu einem ersten kleinen Hit gemausert. Wahrscheinlich auch, weil etwas Geheimnisvolles in dem Song mitschwebt. Das Rätsel, wer die ominöse Jona Vark ist, will das Duo übrigens bis heute nicht auflösen.

"Running Romeo"

als frischer Single lernte Sänger Xavier in Clubs Mädchen kennen, die sich nicht sonderlich für seinen Charakter interessierten. Für kurze Zeit verlor er den Glauben daran, dass es tolle Frauen gibt. Aus dieser Erfahrung entstand dieses Lied, das recht ruhig startet, zum Schluss aber an Tempo gewinnt – das macht einfach nur Spaß zu hören.

"Breakawayl"

obwohl hier der Synthesizer Sound etwas zurückgefahren wurde, klingt diese Hymne stark nach typischen 80er Jahre Pop. Durch den Einsatz von einer Drum-Maschine, wird die Zeit von Schulterpolstern wieder aufgelebt. Der Refrain ist ein 1a Ohrwurm.