Gotye - "Making Mirrors"
CD-Check

Gotye - "Making Mirrors"

Immer wieder gibt es Songs, die hört man und weiß sofort: “Ja klar, das wird ein weltweiter Hit, der Künstler wird daran Millionen verdienen“. Andere hört man, findet sie interessant und ist dann aber doch erstaunt, wenn sie einige Zeit später die Charts stürmen. „Somebody That I Used To Know“ von Gotye ist so ein Titel und hat sich klammheimlich zum ersten Nummer-Eins-Hit in Deutschland im neuen Jahr 2012 entwickelt.

„Der Song war Maßarbeit, er hat unglaublich viele musikalische Elemente“, sagt Wally De Backer, der als Gotye hinter diesem Überraschungserfolg steht. Ganze sechs Monate habe er an dem Song gearbeitet und schon dabei das Gefühl gehabt, da entstehe etwas Besonderes. „Dass er aber weltweit dermaßen einschlagen würde, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen.“, stellt er erstaunt fest.

Dabei macht der gebürtiger Belgier bereits seit über zehn Jahren Musik. Bereits 2006 schaffte er den Durchbruch in seiner Wahlheimat Australien. Dort zählte das Album „Like Drawing Blood“ damals zu den erfolgreichsten des Jahres. Und der Nachfolger „Making Mirrors“ setzte sich im August 2011 sogar an die Spitze der australischen Charts, erreichte Doppel-Platin-Status. Mit einigen Monaten Verspätung und dank der Hit-Single „Somebody That I Used To Know“ mausert sich „Making Mirrors“ jetzt auch bei uns in Deutschland zu einem Erfolgsalbum.

Dabei ist die CD schon etwas besonders, nicht unbedingt Musik, die beim ersten Hören überzeugt. Die 12 Songs sind nicht gerade Pop im herkömmlichen Sinne, auf diese phantastischen Sounds muss man sich erst einmal einlassen. Wenn Sie das aber tun, werden Sie auch belohnt – detailverliebt, verspielt und unglaublich vielfältig ist die Platte produziert. Kein Song gleicht

© Warwick Backer
Wouter „Wally“ De Backer alias Gotye

dem anderen: nach einem kurzen, fragilen Intro („Making Mirrors“) eröffnet eine grummelnde Gitarre die Retro-Rock-Nummer „Easy Way Out“. Darauf folgt der nächste Stilwechsel: „Somebody That I Used To Know“ ist minimal arrangiert und auf das Wesentliche beschränkt. Das klingt ein wenig wie in den späten 70ern, das hypnotische Glockenspiel und Gotyes Gesang erinnern hier verdammt stark an Peter Gabriel. Der nächste Song („Eyes Wide Open“) treibt dann wieder nach vorne, atmet den Geist großer 80er-Plastik-Pop-Nummern, ohne dabei aber nach Plastik zu klingen. Gotye verwendet zwar jede Menge Elektronik und Sound-Samples, im Zusammenspiel mit echten „warmen“ Instrumenten klingt das aber alles erdig und handgemacht.
Wir könnten diese Aufzählung noch für alle restlichen Titel fortsetzen, wollen Ihnen aber nicht alle Überraschungen von „Making Mirrors“ verraten. Gotye versteht es, vollkommen unterschiedliche Stilrichtungen zu mischen und zusammenzuführen. Dadurch entsteht ein einzigartiger Sound, der fordert und gleichzeitig mitreißt. So etwas haben Sie garantiert noch nicht gehört.

 

 

Anspieltipps:
"Somebody That I Used To Know"

das Duett mit der neuseeländischen Sängerin Kimbra gehört natürlich zu den absoluten Höhepunkten des Albums.

"State Of The Art"eröffnet die zweite, „chillige“ Hälfte der CD. In diesem Song gibt es jede Menge zu entdecken, besteht er doch aus vielen Soundfragmenten.
"I Feel Better"

eine Zeitreise, denn dieser Song klingt nach 60er-Motown-Soul – cool und swingend.

 

 

Und so bewertet S. Richter aus Senftenberg die CD

Los gehts mit einem sphärischen, schwebenden Opener, wo danach absolut toll das konträre "Easy Way Out" passt. Das 3. Stück auf "Making Mirrors" "Somebody That I Used To Know" ist natürlich allseits in den Charts vertreten und war auch mir bekannt, sodass ich mich eben um die CD beworben habe. Diese Ohrwurm-Easy-Listening Hymne kommt absolut locker daher, ebenso "Giving Me A Chance", welches sich auch durch Easy Listening auszeichnet. Dann geht es mit Disco-Feeling der 70er Jahre weiter mit "I Feel Better" und "Eyes Wide Open", welche man gern "schlaghosenbedresst", Arm in die Höhe gereckt und wilde Verrenkungen auf der Tanzfläche machend assoziiert. "Making Mirrors" sprüht nur so vor musikalischen Ideen und von der musikalischen Vielseitigkeit Gotye's. Mal düster, mal funky - mal Weltmusik, mal Folk, mal Elektro - der belgisch-australische Singer-Songwriter ist ein wahrer Soundkünstler und verschafft mir mit seiner 3. CD ein wohliges Klangerlebnis von 12 höchst unterschiedlichen Musik-Perlen.
Also 5 von 5 Punkten auf einer Bewertungskala