Foster The People - "Torches"
CD-Check

Foster The People - "Torches"

Wer was zu erzählen hat und viele Menschen erreichen will, der macht das mittlerweile im Internet über sogenannte Blogs. Diese kleinen Webseiten werden immer beliebter, da es viele Menschen gibt die was Interessantes zu berichten haben. Wie auch ein weiblicher deutscher Musikfan, die in ihrem Blog bereits vor einem Jahr von einer amerikanischen Band schwärmt. In ihren Augen hatte das Trio auf seiner Homepage einen Riesenhit veröffentlicht.

Foster The People nennen sich die Drei, kommen aus Los Angeles und der Song heißt „Pumped Up Kicks“. Die Single klingt, als wäre sie eine entspannte Surferhymne aus den 60er Jahren, aufgepeppt mit elektronischen Soundelementen. Doch der Song erzählt eine dunkle Geschichte. Es geht um einen jungen Außenseiter namens Robert, der in einer Großstadt das Leben eines Cowboys führt. Weil er sich seiner Umwelt nicht anpasst, wird er von den Leuten verachtet und rastet deswegen vollkommen aus. Mit diesem Lied hat die kalifornische Band einen echten Schnellstart hingelegt, denn seit zwei Jahren machen sie erst gemeinsam Musik.

 

Im beschaulichen Cleveland wuchs Sänger und Kopf der Band Mark Foster auf und hatte nur ein Ziel vor Augen: Mit Musik sein Geld zu verdienen. Von seinem Vater erhielt er nicht nur moralische Unterstützung, sondern auch den Rat entweder nach Los Angeles oder nach New York City zu ziehen, um dort als Musiker sein Glück zu versuchen. Die Wahl fiel auf L.A.. Mark schlug sich erst als Pizzalieferant durchs Leben, um seine Miete zahlen zu können. Nebenbei schrieb er fleißig an Songs. Doch seine musikalischen Ideen konnte er schlecht alleine live auf einer Bühne präsentieren. Aus dieser Misere herausgeholfen haben ihm dann 2009 zwei seiner Musikerfreunde – Cubbie Finks und Mark Pontious. Als „Foster And The People“ bestritten sie ihr erstes Konzert in einer kleinen Bar in Santa Monica. Die Musik kam bei den Leuten extrem gut an, nur verstanden sie als Bandnamen immer „Foster The People“. Danach war für alle schnell klar: Wir machen als Trio weiter Musik und zwar als „Foster The People“. Durch den Hype um die erste gemeinsam geschriebene Single „Pumped Up Kicks“ schaffte die Band auch ihren bisher nennenswertesten Erfolg: Sie unterschrieben einen Plattenvertrag bei einem großen Label.

 

© Williams + Hirakawa
Foster The People

Mit „Torches“ haben sie jetzt ihr Debütalbum auf den Markt gebracht. Zehn Songs haben es auf die CD geschafft, die stark an die Musik von Empire Of The Sun („We Are The People“) erinnert. Musikalisch nutzen Foster The People, ebenfalls wie Empire Of The Sun, ein bunt gemischtes Potpourri aus elektronischen, teilweise schon technoiden Soundelementen, ohne dabei die klassischen Bandinstrumente Schlagzeug, Gitarre und Bass zu vernachlässigen. „Wir wollen Musik machen, die keine Grenzen kennt, aber immer noch zum Mitsingen animiert“, sagt Mark Foster über die Songs auf dem Debüt. Foster The People legen somit nicht nur wert auf gut komponierte Songs, sondern auch auf aussagekräftige Texte. Die drei Amerikaner scheinen mit den Liedern die Welt sehr kritisch unter die Lupe nehmen zu wollen. So geht es bereits im ersten Stück „Helena Beat“ um das Gefühl, sich in der heutigen Gesellschaft nicht wohl zu fühlen, als wäre man eingesperrt. Auf dem Song „Call It What You Want“ kritisieren sie die Konsumgier ihrer Generation und dass das Leben nur über soziale Netzwerke organisiert wird und verläuft. „Torches“ ist ein Album geworden, das voll gespickt ist mit kleinen Geschichten, die einen wachrütteln sollen.

 

Zugegeben brauchten wir ein wenig Zeit, um in diese doch erst eigenwillig anmutende Musik von Foster The People einzutauchen und sie zu verstehen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. In den aktuellen Charts gibt es kaum Lieder, die eine tiefgründige und gehaltvolle Aussage besitzen. Meist drehen sich die Songs um Liebe, Party feiern und Sex. Doch den kalifornischen Musiker ist das zu oberflächlich. Sie scheinen die Welt mit ihrer Musik ein wenig schöner machen zu wollen. Unabhängig davon, ob man nun den Inhalt versteht oder nicht, die Platte „Torches“ schafft es auch einfach nur durch die Musik einen glücklich zu machen.

 

 

Anspieltipps:
"PumpedUp Kicks":Was meinen Sie? Klingt die erste Singleauskopplung aus dem Album nicht auch wie eine Mischung aus „We Are The People“ von Empire Of The Sun und an „Young Folks“ von Peter, Björn & John? Irgendwie scheinen Foster The People aus beiden Liedern das Beste herausgenommen zu haben
"Houdini":Wer wünscht sich nicht einfach mal für eine Zeit lang unsichtbar zu sein? Wie vom großen Magier Harry Houdini zum Verschwinden gebracht zu werden. Sänger Mark Foster hat ein Lied über diesen Traum geschrieben. Entstanden ist eine eingängige Gute Laune Nummer, inklusive einem dramatischen Chor am Ende
"Don’t Stop (Color On The Walls)":Mit Akustikgitarre und einem entspannten Beat im Hintergrund machen Foster The People aus dem Song eine Hymne, die gut auf einem Soundtrack zu einem Quentin Tarantino Film ihren Platz finden könnte