Amy Winehouse - "Lioness: Hidden Treasures"
CD-Check

Amy Winehouse - "Lioness"

"Mein Herz ist traurig und einsam," singt der amerikanische Jazzsänger Tony Bennett in der ersten Zeile des Songs "Body And Soul". Es ist ein Duett, das er im Frühjahr 2011 zusammen mit einer Sängerin aufgenommen hat, die in ihrer Stimme unglaublichen Soul hatte – Amy Winehouse. Was niemand zu diesem Zeitpunkt ahnen konnte, es sollte das letzte Mal sein, dass die britische Sängerin in einem Studio stand, um eine Single aufzunehmen. Nur wenige Wochen später wurde die 27-jährige tot in ihrer Londoner Wohnung gefunden – Diagnose: massive Alkoholvergiftung. Mit "Lioness: Hidden Treasures" ist jetzt eine Platte erschienen, die noch einmal dieses bemerkenswerte Gesangstalent präsentiert.

Amy Winehouse’s Leben war besonders in den letzten Jahren bestimmt von Exzessen und Skandalen. Sie wurde in der Öffentlichkeit als Frau wahrgenommen, die durch Alkohol- und Drogenmissbrauch versuchte, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig war die Tochter eines Taxifahrers und einer Apothekerin aber auch voller Leidenschaften. Ihre größte war die Liebe zur Jazzmusik, die in ihrer Familie schon immer mit großer Begeisterung gehört wurde. Kein Wunder also, dass Amy sich mit zwölf Jahren im Jazz-Orchester ihrer Schule engagierte. Ein paar Jahre später gründete sie zusammen mit ein paar Schulfreundinnen eine Mädchen Rap-Gruppe, die sogar kleinere Auftritte in Londoner Clubs hatte. Mit 18 wurde sie dann letztendlich als Solo-Sängerin von einer Plattenfirma entdeckt und unter Vertrag genommen.

 

Zwei Jahre bastelte sie an den Songs für ihr Debütalbum „Frank“. Von Kritikern wurde die CD umjubelt und Amy Winehouse als neues und hoffnungsvolles Talent in der Musikbranche gefeiert. Zumindest in Großbritannien schaffte es die Platte 2003 zu einer Top 20 Platzierung in den Charts. Dieser erste berufliche Erfolg brachte Amy in ihrem Privatleben aber kein Glück. Zwar heiratete sie ihre große Liebe Blake Fielder-Civil, doch erste Gerüchte, sie sei völlig erschöpft und an Bulimie erkrankt, machten schnell die Runde. Mehrere heftige Drogenexzesse folgten und ihre Ehe scheiterte in aller Öffentlichkeit. Laut Winehouse wurde die Beziehung von ihrem Ehemann mit den Worten beendet: „Mach mal eine Entziehungskur“. Für die Sängerin war dieser private Absturz wie ein Schlag in die Magengegend. Zusammen mit ihrem Produzenten Mark Ronson schöpfte sie dennoch genügend Kraft, ihr Leben und ihre Probleme in Worte zu fassen und so ihre größten Hits „Rehab“ und „You Know I’m No Good“ zu schreiben. Erschienen sind diese Songs 2007 auf ihrem zweiten Album und persönlichen Meisterwerk „Back To Black“. In den folgenden Monaten gab es weltweit keine erfolgreichere Platte, über acht Millionen Exemplare wurden verkauft. Kein Wunder, dass die Welt auf ein drittes Werk der Sängerin wartete. Zusammen mit dem Produzenten Salaam Remi schrieb sie 2010 die ersten Songs für eine neue CD. Doch mit ihrem Tod am 23. Juli 2011 waren die Hoffnungen auf das angekündigte Comeback der Sängerin zerschlagen worden.

 

© Bryan Adams
Amy Winehouse

Stattdessen haben sich dann ihre Familie, Produzenten und verschiedene Musiker zusammengetan, um noch einmal alle der vielen Gesangsaufnahmen von Amy Winehouse anzuhören, die sie vor, während und nach den Veröffentlichungen ihrer beiden Alben gemacht hat. Entstanden ist dabei die Idee, mit Material aus dem hinterlassenen Repertoire eine Platte zusammenzustellen, die noch einmal das unglaubliche Talent der Sängerin in den Vordergrund stellen soll. Mit „Lioness: Hidden Treasures“ ist dieses Vorhaben geglückt, insgesamt zwölf Songs sind auf CD gepresst worden. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Best Of CD.

 

Es gibt zwar auch bekannte Lieder der Soulsängerin zu hören, die aber in alternativen Versionen. Dazu kommen neben ein paar ganz neuen Titeln auch Coversongs alter Klassiker anderer Künstler. Einer davon ist „Will You Still Love Me Tomorrow“ von The Shirelles. Bereits 2004 hatte Amy das Lied für den Soundtrack zum zweiten „Bridget Jones“ Film eingesungen. Ihr Produzent Mark Ronson hat jetzt daraus dank verschiedener Streich-, Blas- und Schlaginstrumente eine Fassung gemacht, die so bombastisch klingt wie ein James Bond Titelsong. Im Booklet erzählt er, dass Amy ihn für seine Neuinterpretation wohl verflucht hätte, weil sie durch die Harfen im Hintergrund jetzt zu sehr nach der „verdammten Mariah Carey“ klingen würde. „Between The Cheats“ klingt dagegen etwas zurückgenommen, statt Bombast-Sound sind hier nur ein Männerchor, Klavier, Saxophon und ein Schlagzeug zu hören, das nur mit Pinseln gewischt wird. Die Soul-Pop-Nummer, die so entstanden ist, orientiert sich am Stil von „Tears Dry On Their Own“. Diesen Hit gibt es auf der neuen CD übrigens in der älteren und ursprünglichen Fassung zu hören. Im Original hieß er nur „Tears Dry“und fällt viel ruhiger aus als die finale Single-Aufnahme, die leicht rockig anmutenden Gitarren machen daraus sogar ein ganz neues, andersartiges Stück daraus.

 

Zusammengesetzt ist das Album von Amy Winehouse also aus vielen kleinen Puzzleteilen. Dass die Platte den finalen Schliff von den Produzenten erhalten hat, die die Musikerin während ihrer Karriere begleiteten, macht aus „Lioness: Hidden Treasures“ ein tolles einheitliches Soulalbum, das der Stimme, der Musikerin und dem Talent der britischen Sängerin mehr als gerecht wird.

 

 

Anspieltipps:
"Our Day Will Come"

die erste Single ist auch eine Coverversion. Das eher unbekannte Original aus den 60ern stammt von Ruby & The Romantics und ist eigentlich eine R&B Nummer. Da Amy Winehouse neben Jazz auch gerne Reggae gehört hat, haben die Produzenten entschieden, dem Song einen gewissen Jamaica Flair einzuhauchen

"The Girl From Ipanema"eine echte Rarität. Hier singt Amy Winehouse als 18-jährige, die damals gerade ihren Plattenvertrag unterschrieben hatte. Vielleicht gerade deshalb klingt der Bossa- Nova Klassiker irgendwie unbeschwert, frisch und jugendlich
"Body And Soul"

Amy Winehouse wuchs mit diesem Jazzklassiker auf und verband sehr viele Erinnerinnungen aus ihrer Kindheit mit diesem Song. Dass sie dieses Lied auch noch als Duett mit Tony Bennett aufnehmen durfte, setzte dem Ganzen die Krone auf: der Musiker war schon immer einer der großen musikalischen Helden ihres Vaters