Snow Patrol - "Fallen Empires"
CD-Check

Snow Patrol: "Fallen Empires"

Snow Patrol haben weltweit über elf Millionen Alben verkauft, sind mit über 20 Musikpreisen geehrt worden und konnten sich allein mit ihrer Hitsingle „Chasing Cars“ zwei Jahre in den Top 75 der britischen Singlecharts halten. Damit sind sie zweifelsohne eine der erfolgreichsten Bands Englands der letzten Jahre.

Doch der Weg dorthin war für die fünf Musiker ziemlich mühselig und lang. Bereits 1994 lernten sich Sänger Gary Lightbody und Mark McClelland in der nordirischen Universitätsstadt Dundee kennen. Doch statt in Vorlesungen zu sitzen, gingen die Beiden ihrer gemeinsamen Leidenschaft nach - der Musik. Als der Drummer Johnny Quinn zu ihnen stieß, waren Snow Patrol zunächst als Trio komplett.

 

1997 erschien ihr Debütalbum "Songs For Polar Bears", mit dem die Band einen ersten Achtungserfolg erzielen konnte. Doch erst mit dem dritten Longplayer "Final Straw" von 2004 schafften die Jungs (inzwischen hatten sie sich mit Nathan Connolly einen zweiten Gitarristen ins Boot geholt) in Großbritannien den kommerziellen Durchbruch und hatten mit der Single "Run" ihren ersten Hit. Heutzutage kennen die meisten den Song übrigens eher in der Coverversion von Leona Lewis, die es damit Anfang 2009 in die Top 20 der europäischen Charts schaffte. Snow Patrol hingegen wurden über die Jahre nur als Geheimtipp gehandelt. In Deutschland wurden sie erst zwei Jahre nach „Run“ mit der CD "Eyes Open" bekannt, die sie in neuer Besetzung und nun als Quintett eingespielt hatten. Unzählige Tourneen unter anderem als Vorband ihrer Vorbilder U2 folgten. 2008 erschien das Album „A Hundred Million Suns“ mit dem Hit „Crack The Shutters“, bei Snow Patrol war aber irgendwie dann doch die Luft raus. Nach mehr als 10 Jahren harter Arbeit musste dringend eine Pause für die Bandmitglieder her. Nur das Best Of Album „Up To Now“ wurde kurze Zeit später noch veröffentlicht.

 

 

© UMID
Snow Patrol

Insgesamt hat es nun drei Jahre gedauert, bis das neue und mittlerweile sechste Snow Patrol Studioalbum „Fallen Empires“ fertig war. Entstanden sind die meisten der 14 Songs in verschiedenen Orten Kaliforniens. Auf einer Reise durch den amerikanischen Sonnenstaat trafen sie Musiker wie zum Beispiel den R.E.M. Sänger Michael Stipe oder die amerikanische Folksängerin Lissie, die hier einen Gitarrenpart, hier eine Textidee beisteuerten oder sich als Background Sänger zur Verfügung stellten (Lissie ist zum Beispiel in „Those Distant Bells“ zu hören). „Unser Ziel lautete eine extrem ambitionierte Platte zu machen.“, sagt Sänger Gary Lightbody rückblickend. „Also schrieben wir Songs, die viel verspielter, ja auch ungeschliffener waren. Wir haben uns getraut, das auch durchzuziehen, was wir als Band wollten, anstatt uns an irgendwelche Vorgaben oder Konventionen zu halten.“

 

Snow Patrol, die eigentlich eher als Band der groß arrangierten Rockhymnen bekannt ist, probieren sich aus. Hören können Sie das bereits im Eröffnungsstück „I’ll Never Let Go“. Synthesizer Klänge läuten einen Song ein, der gut und gerne auf den Tanzflächen dieser Welt zu Begeisterungsstürmen führen kann – auch wenn zum Schluss hin, die Gitarrenklänge wieder die Überhand gewinnen. Auch der Titeltrack vermittelt den Eindruck als ob die Band förmlich die Herausforderung gesucht hat, anders klingen zu wollen. Mandolinenakkorde, elektronische Beats und verzerrte Stimmen machen „Fallen Empire“ zum wohl außergewöhnlichsten Song, den man bisher von Snow Patrol zu hören bekommen hat. Aber die fünf Musiker bleiben sich an einigen Stellen auf dem Album auch treu. Mit „New York“ gibt es wieder eine dieser typischen Balladen, die extrem ruhig anfängt und mit Orchester und Chor nicht nur zum Höhepunkt findet, sondern auch für den unumstrittenen Gänsehautmoment der Platte sorgt.

 

Snow Patrol haben auf „Fallen Empires“ mehr Synthesizer und mehr elektronische Spielereien in den 14 neuen Songs versteckt. Das klingt mutig genug, um am Puls der Zeit zu sein, ohne dabei aber den typischen Sound der Nordiren zu zerstören. Die Band hat trotz langer Pause einfach nicht verlernt wie man großartige Ohrwürmer schreibt und sie emotional in ein Album verpackt.

 

 

Anspieltipps:
"Called Out In The Dar"die erste Single ist ein klassischer Snow Patrol Ohrwurm, der allerdings ein wenig überraschend instrumentiert ist: die Gitarrenklänge sind zurückgenommen, dafür werden mehr Synthesizer benutzt
"Berlin"während Teile des Vorgänger-Albums „A Hundred Million Suns“ in den berühmten Hansa Studios in Kreuzberg entstanden, hat die Band ihre Liebe zur deutschen Hauptstadt dieses Mal einfach in eine zuckersüße, poppige Hymne gepackt. Der Song ist so fröhlich und schön anzuhören, dass er nicht mal einen Text braucht
"The Symphony"

sechs Minuten lang gibt es hier eine Mischung aus Elektro- und Rockhymne zu hören. Auch wenn der fast schon technoide Sound überwiegt, dank des Einsatzes eines Gospel Chors aus Los Angeles klingt „The Symphony“ am Ende dann doch irgendwie typisch für die nordirische Band